Teil 3 von  Robert Heiduk im Gespräch mit Henk Kraaijenhof.

[RH]: Der Spitzensport tendiert in Richtung Spezialisierung aller Teilprozesse. Ein Athlet hat heute den Biomechanik-Spezialisten, den Neuro-Spezialisten, den Movement-Spezialisten, den Regenerations-Spezialisten und etliche weitere Spezialisten um sich herum…

[HK]: Ich bin ein klarer Generalist. Nicht weil ich das so gerne möchte, aber wir haben in der Leichtathletik genau genommen nicht die Ressourcen zahlreiche Spezialisten zu beschäftigen. Ich habe das alles selber machen müssen wegen Mangel an Möglichkeiten oder Geld.

Die Leistung wird auch bestimmt nicht besser, je mehr Spezialisten man heranzieht.

Ich glaube Spezialisierung ist heute ein Werkzeug um sich ein Geschäftsfeld aufzubauen mit dem man sich von anderen abgrenzen kann.

Nun sind wir vielleicht aber paradoxerweise wieder schon soweit spezialisiert, dass sich jetzt die Generalisten von all‘ diesen Spezialisten besser abgrenzen können.

Das Potential für Konflikte ist auf jeden Fall sehr groß, weil jeder Spezialist denkt, dass er den großen Anteil an der Leistungsverbesserung hat. Wenn die Leistung gut ist, sagt der Ernährungsspezialist: „Das ist, weil sie sich besser ernähren“, der Biomechaniker sagt: „Weil die besser laufen und den Ball besser treffen“ und der Psychologe sagt: „Weil die mehr stressresilient sind, mit dem Stress besser umgehen können“. Möglich ist aber auch, dass es alle falsch liegen.

Wenn es um wirklich große Fehler geht, hat meistens der Cheftrainer schuld. Der Spezialist dagegen hat keinen Anteil an Fehlern, sieht nur seinen Erfolgsanteil der Leistung, das finde ich sehr merkwürdig. Es gibt Dinge, wo wir besser sind als andere, aber als richiger Trainer kannst du es dir nicht leisten dich zu spezialisieren. Es gibt ja ein komplexes Spektrum von Faktoren, welche die Leistung bestimmen und da musst du als Trainer immer die Übersicht behalten, das kann man nicht nur Spezialisten überlassen.

Der amerikanische Autor Robert Heiner hat gesagt, Menschen können Brot backen,  Autos bauen, sägen, ein Buch schreiben, ein Buch lesen, Gedichte schreiben… und folgert:

Spezialisierung ist für Insekten.

Das fand ich sehr gut. Training im Sport ist keine „Rocket Science“. Man kann sich vielleicht zeitweise mehr mit einzelnen Spezialgebieten auseinandersetzen, darüber lesen, sich fortbilden, aber für alles einen Spezialisten? Dann verliert man als Trainer die Übersicht und das ist eine große Bedrohung für den Trainerberuf.