Digitalisierung spielt auch im Profi-Sport eine immer größere Rolle. Dr. Christoph Rottensteiner berichtet über seiner Arbeit beim finnischen Spezialisten Firstbeat.

Die stetig wachsenden Anforderungen im Profisport verlangen neue Trainingsstrategien, richtige Trainingsentscheidungen und dazu vor allem verlässliche und valide physiologische Informationen. Labor- und Leistungstests bilden die Grundlage einer wissenschaftlichen Herangehensweise an den Spitzensport im Allgemeinen und die Leistungsmaximierung des individuellen Athleten im Speziellen.

Firstbeat_ChristophRottensteiner_FreigestelltMonitoring in Echtzeit auf der anderen Seite verspricht eine ähnliche Betreuung über nicht-invasive Methoden und ohne Atemgasmaske, dafür live auf dem Feld und im Prinzip rund um die Uhr. Christoph Rottensteiner ist promovierter Sportwissenschaftler und arbeitet für Firstbeat Technologies in Finnland, ein Anbieter für Herzfrequenz- und HRV-basierte Analysen und Monitoring. Er stellt klar die Rolle der Wissenschaft in den Vordergrund:

„Sportmedizinische Leistungstests sind im Profisport extrem hilfreich, jedoch werden diese vor allem von Mannschaftssportarten oft nur zwei Mal im Jahr, zumeist in der Hin- und Rückründe durchgeführt.
Unterschiedliche moderne Technologien können heut zu Tage oft zuverlässig und auf nicht-invasive Weise Daten erheben und über deren Analytik die nötigen bzw. relevanten Trainingsparameter dem Trainerteam und den Athleten relativ schnell zur Verfügung stellen“, erklärt er.

Dabei würde er das eine jedoch nicht durch das andere ersetzen, sagt er weiter: „Leistungstests geben die Möglichkeit, ein sehr präzises Bild des gesamten Systems des Athleten zu bekommen. Mittels dieser Informationen können gute Ausgangsdaten in die tägliche Trainingsüberwachung miteinbezogen werden, welche wiederum die Möglichkeit geben, direkt auf akute Entwicklungen der Sportler im Training zu reagieren. Diese Kombination kann dem erfahrenen Trainerauge einen zusätzlichen und vor allem tiefgründigeren Weitblick für die jeweiligen Trainingsentscheidungen liefern.“

Von der Datenerhebung zu relevanten Informationen

Vor allem bei der internen Trainingsüberwachung, also der Herzfrequenz- und Herzratenvariabilität-basierenden Trainingsteuerung, spielt nicht nur die Hardware zur Datenerhebung eine entscheidende Rolle, obwohl es elaborierter Monitore bedarf, um exakt verwertbare Daten zu erhalten. Doch selbst die exakteste Technologie gibt ohne entsprechende Analytik keine verwertbaren Informationen. „Wenn wir nur auf die Herzfrequenz schauen, ist das zwar eine gute Information, aber im Endeffekt erfahre ich beispielsweise wenig über die Gesamtintensität eines Trainings“, sagt Rottensteiner. „Wenn wir aber einen Parameter wie die Herzratenvariabilität nehmen, so können wir durch entsprechende wissenschaftlich validierte Modellierungen und Berechnungen direkte Informationen über das autonome Nervensystem erhalten und so individuelle aerobe und anaerobe Belastungen, Trainingseffekt, EPOC-Spitzen, akkumulierte Trainingsbelastungen und letztlich auch zum Regenerationsverhalten des Athleten erhalten“, zählt er auf.
Digitalisierte Physiologie FirstbeatDiese und andere Daten bezüglich des Athleten geben dem Trainer ein Bild der aktuellen Situation, Belastbarkeit und somit auch, inwieweit der Athlet Trainingsreize tatsächlich leistungssteigernd umsetzen und verarbeiten kann. Eine Möglichkeit, auf die immer mehr Trainer zurückgreifen: „Vor allem in den vergangenen Jahren scheint eine gewisse Barriere oder Abneigung gegenüber Trainingsmonitoring mehr und mehr verschwunden zu sein“, schätzt Rottensteiner ein. „Die Bereitschaft, mehr Technologie im Training einzusetzen, sei es nun durch ein GPS- oder HRV-Monitoring oder eben beides, hat stark zugenommen, was am Ende sicherlich auch mit der Entwicklung der Technik selbst zu tun hat. Es gibt unglaublich viele Anbieter auf dem Markt und umso entscheidender ist es, dass Daten akkurat und valide erhoben werden.“
Das gelte nicht nur für das Trainerteam oder die medizinischen Mitarbeiter, sondern die Informationen kämen auch dem Spieler zugute: „Ein manchmal negativer Punkt, der genannt wird, ist die ständige Kontrolle. Ich denke aber, dass wenn ein Spieler oder Athlet ein gewisses Ziel verfolgt und auf dem professionellen Markt bestehen will, ist eine gewisse Überwachung notwendig und sollte auch als positiver Faktor akzeptiert und genutzt werden. So hat man auch die Sicherheit, dass man in guten Händen ist und auf sichere Weise seine Ziele als Profi erreichen kann.“

Digitalisierung als dynamischer Prozess

So sei es definitiv heute möglich, qualitativ hochwertige Informationen zu erhalten, auf die man sich verlassen kann. Wichtig ist dabei für Christoph Rottensteiner persönlich, selbst auch ein Teil dieser Entwicklung zu sein: „Ich arbeite bei Firstbeat im Verkauf, aber eben auch in der Forschung. Wenn man aus der Wissenschaft kommt, ist es umso schöner, in einem Umfeld zu arbeiten, wo die Forschung und Weiterentwicklung ein so aktiver Prozess im Arbeitsalltag ist. Mit den Möglichkeiten der Datenaufzeichnung und -analyse und dem daraus resultierenden Wissen über die menschliche Physiologie können wir bereits unglaublich viel bewegen und sehen gleichzeitig auch das Potenzial, welches noch darin steckt und das ist für mich von sportwissenschaftlicher Seite her extrem spannend.“
Ein Ausblick auf technischer Ebene ist oft schwierig und die Digitalisierung im Profisport ist ein sehr dynamischer Prozess, der sich gemeinsam mit dem jeweiligen Sport, der Liga und den zugehörigen Akteuren verändert. „Es wird einige Zeit brauchen, bis man ein perfektes System hat, oder bis man vielleicht nur noch einen Chip braucht, um sämtliche physiologischen und motorischen Informationen eines Athleten sammeln zu können – ich denke, da sind der technologischen Entwicklung wenige Grenzen gesetzt“, schließt Rottensteiner.

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