Johannes Egelseer, Athletiktrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft  über seine Laufbahn vom Profi-Fußball zum Eishockey.

[atk] Wie bist Du seinerzeit als Athletiktrainer zum Profi-Fußball gekommen und was waren dort Deine Aufgaben?

[je] Während meines Studiums der Sportwissenschaft habe ich schon parallel Einzelsportler und auch verschieden Mannschaften im höheren Jugendbereich als Athletiktrainer betreut. Der Einstieg in den Profi-Fußball war sehr kurzfristig. Der VfR Aalen war gerade aus der dritten Liga abgestiegen, binnen zwei Wochen musste der damalige Trainer Rainer Scharinger ein komplett neues Team inklusive Trainerstab auf die Beine stellen. Wir kamen über einen gemeinsamen Bekannten ins Gespräch, er schenkte mir das Vertrauen, eine Woche später ging es los und 10 Monate später waren wir wieder in der dritten Liga, später sogar noch in der zweiten Bundesliga. Meine Aufgaben waren zunächst wirkliche Basisarbeit im Athletiktraining, schrittweise konnte ich meinen Bereich dann noch u.a. um Sporternährung und eine umfangreiche Belastungs- und Regenerationssteuerung erweitern. Wobei mir stets wichtig ist zu betonen, dass ein solides Athletiktraining die Grundlage ist, sonst verwaltet man mit allem anderen nur seine eigenen Defizite!

[atk] 2015 bist Du vom Fußball zum Eishockey gewechselt. Wie kam dieser Schritt zustande?

[je] Nach sechs Jahren beim VfR Aalen hatte ich das Gefühl dass mir eine Veränderung sehr gut tun würde. Ich habe aber gemerkt dass ich nicht sofort beim nächsten Verein beginnen wollte und gönnte mir für vier Monate eine wichtige Auszeit. Dann kam die Anfrage vom Deutschen Eishockey-Bund genau zum richtigen Zeitpunkt. Es wurde ein Athletiktrainer für die U-Mannschaften gesucht und einer der Verantwortlichen wusste dass ich gerade nicht gebunden war.

[atk] Welche Unterschiede hast Du zwischen Deiner Arbeit als Athletiktrainer im Fußball und Deiner Tätigkeit im Eishockey feststellen können?

[je] Zuallererst halte ich die Unterschiede für relativ gering, es handelt sich schließlich um eine Teamsportart. Also ist die richtige Kommunikation mit einzelnen Spielern und dem gesamten Team die wichtige Basis. Was das Training angeht hat man im Eishockey natürlich teilweise eine andere Gewichtung im Athletiktraining, aber beispielsweise hatte bei mir das Krafttraining auch mit meinen Fußballprofis einen sehr hohen Stellenwert. Zudem hatte ich über mehrere Aufenthalte und Kontakte in Nordamerika genug Schnittstellen zum Eishockey, somit war alles in allem die Umstellung kein großes Problem.  Schlittschuhlaufen muss ich ja nicht…

[atk] Welche Veränderungen habt Ihr beim DEB innerhalb der letzten 2 Jahre im Athletiktraining vorgenommen?

[je] Den genauen Stand vor zwei Jahren kann ich gar nicht beurteilen, weil die A-Nationalmannschaft quasi von Grund auf neu aufgestellt wurde, angefangen im Personal mit dem neuen Bundestrainer Marco Sturm und vielen weiteren Personen. Inzwischen wurde beispielsweise am Bundesleistungszentrum in Füssen der Kraftraum neu gestaltet, was unsere Trainingsmöglichkeiten immens erweitert. Als Partner konnten wir u.a. Powerbar und Firstbeat gewinnen, wir sind dadurch was Sporternährung und Trainingsüberwachung angeht professionell aufgestellt um zwei weitere Punkte zu nennen.

[atk] In welchen Bereichen seht Ihr beim DEB im athletischen Bereich noch Entwicklungspotential?

[je] Vor allem im Nachwuchs merken wir noch eine ziemliche Heterogenität im Leistungsstand, da müssen wir die Trainingsarbeit in vielen Vereinen noch verbessern. Allgemein gesagt befinden wir uns im Verband natürlich immer in einer Position dass wir die Spieler nur für mehrere Tage bei uns haben und dabei natürlich nur Hinweise auf Defizite geben können bzw. den Spielern Möglichkeiten aufzeigen können, wie Sie Ihre Leistungsfähigkeit im Bereich Athletik und weiteren Bereichen z.B. Ernährung verbessern können.

[atk] Welche Bedeutung hat für Dich der fachliche Austausch mit Kollegen?

[je] Der Austausch mit anderen Trainern ist mir sehr wichtig. Neben regelmäßigen Treffen mit Trainer aus verschiedenen Sportarten plane ich jedes Jahr auch mehrere Konferenzen mit ein. Aus den Vorträge kann man sich mehr oder weniger viel mitnehmen, aber Sie vor allem auch dazu nutzen seine eigene Arbeit zu überdenken, was mache ich gut, wo kann ich besser arbeiten‘. Aber die wirklich guten Gespräche führt man dann sowieso abends an der Bar…

[atk] Ist Athletiktrainer dein Traumjob? Gibt es eine Mannschaft oder Sportler, die gerne trainieren würdest?

[je] Zur Zeit würde ich es gar nicht so sehr an den Sportlern oder Mannschaften fest machen, sondern eher an Trainerkollegen, mit denen ich gemeinsam in einem Team arbeiten würde, also in einer Konstellation in der wir uns alle so einbringen können um unsere Arbeit auf ein neues Level zu heben. Was mir neben meiner Arbeit mit meinen Teams auch wichtig ist sind die Einzelsportler aus verschiedenen Sportarten, die ich parallel betreue. Diese Abwechslung möchte ich gerade auch nicht missen.

[atk] Vielen Dank!

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