Im professionellen Trainerhandwerk gehört die Analyse von Verhaltensmustern längst zum guten Ton. Michael Welke skizziert  die Grundlage.


„Trainer sind Beobachter“. Dieser einfache Satz mag trivial erscheinen, umreißt aber das komplette Feld des Trainerhandwerks. Die Beobachtungen richten sich in Form diagnostischer Verfahren auf die physiologischen Grundlagen des/der Athleten und insbesondere auf Emotionalisierungsprozesse im Training und im Wettkampf. Wie ist sein/ihr Kommunikationsverhalten in der Trainingsgruppe oder im Einzelgespräch zu bewerten, welche Ängste und Eitelkeiten sind zu konstatieren, was passiert bei Überforderung oder zu starkem Wettkampfstress?

Die moderne sportpsychologische Forschung stellt hier mannigfaltige Untersuchungsergebnisse bereit, mein Blick richtet sich jedoch auf sogenannte Self-Scanning-Verfahren für den Trainer bzw. die Trainerin selbst. Ausgehend von der These, dass jeglicher Beziehungsaufbau von gegenseitig sich steuernden Dynamiken gekennzeichnet ist, muss man sich als Trainer und Führungskraft bewusst machen, dass die eigene emotionale Stimmungslage sich nachhaltig auf das Gegenüber auswirkt.

Einfacher ausgedrückt: Ist der Trainer „gut drauf“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch der Athlet einen guten Tag erwischt. Neigt der Trainer im Gegenteil zu Melancholie und Missmut, wirkt sich dies unter Umständen auf die Leistungsfähigkeit des Athleten aus, wenn nicht der Ausnahmefall besteht, dass der Athlet einen Lustgewinn aus der Missstimmung des Trainers bezieht.

In jedem Falle ist von dem Trainer eine beidseitige und professionelle Analyse von Verhaltensmustern voranzutreiben. Dies ist insbesondere möglich über das Kommunikationsverhalten und wird festgemacht an der unmittelbar wahrzunehmenden rhetorischen Oberflächenstruktur (Gestik, Mimik, Wortwahl, Sprechstimme etc.) und lässt Rückschlüsse zur jeweiligen individuellen Tiefenstruktur (Handlungsmotive, Stressoren, mentale Prozesse etc.) zu.

Merke unbedingt dabei:

„Beobachten ist gut, solange das Hauptaugenmerk auf achten liegt!“
(Peter E. Schumacher)

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