Die Bedeutung der Regeneration rückt im Profisport immer mehr in den Fokus der Trainer und Athleten, denn nur wer optimal erholt ist, kann auch neue Trainingsreize wirksam verarbeiten.

Um den Regenerationszustand eines Sportlers zu beurteilen, wird unter anderem die Analyse von Herzfrequenz und Herzratenvariabilität herangezogen. Profi-Mannschaften wie Atlético Madrid, Golden State Warriors, Pittsburgh Penguins oder den THW Kiel nutzen diese Möglichkeiten bereits. Christoph Rottensteiner ist promovierter Sportwissenschaftler der finnischen Universität Jyväskylä und weiß mehr über die Regenerationsüberwachung.

Das Thema Regeneration im Mannschaftssport wird oft nicht genug analysiert und interpretiert, welche Risiken bestehen hierbei für Spieler und Mannschaft?

Der Spieleralltag in zahlreichen Mannschaftssportarten ist vor allem durch eine hohe Anzahl an Spielen im In- und Ausland gekennzeichnet. Ein Profi-Fußballer beispielsweise absolviert in relativ vielen Fällen zwischen 60 bis 80 Spiele innerhalb einer Saison. Dazu zählen die Verpflichtungen für den Verein, aber auch für die jeweilige Nationalmannschaft.

Dieser anspruchsvolle Saisonverlauf inklusive Spielen, Trainingseinheiten, Presseveranstaltungen und Reisen und dazu noch Privatleben der Spieler, kann immensen Einfluss auf die individuelle Spielerleistung haben. Die oft nicht ausreichende Regeneration kann daher zu Leistungseinbußen und zu einem erhöhten Übertrainings- und Verletzungsrisiko führen. Es wird leider häufig vergessen, dass es im Falle einer Verletzung oft Wochen bis Monate bedarf, bis der Spieler wieder in den geregelten Trainings- bzw. Spielalltag zurückkehren kann. Für Mannschaften bedeutet dies nicht nur mit einem Leistungsdefizit klarzukommen, sondern auch wirtschaftliche Verluste in Kauf zu nehmen. Teilweise können traumatische Verletzungen nicht vermieden werden, doch eine konstante und konsequente Kontrolle der Trainingsüberwachung und der Regeneration, und die damit verbundenen rechtzeitigen Erkenntnisse sowie Änderungen im Trainingsprotokoll, können Verletzungen vermeiden und ein hohes Leistungsniveau während der ganzen Saison sicherstellen.

Wie kann das Ganze praktisch umgesetzt werden, um diese empfohlene und so wichtig erscheinende Balance zwischen optimaler Spielerleistung und der nötigen Regeneration während des Verlaufs einer Saison zu finden?

Um innerhalb des Trainerstabs die Aufgabe erfüllen zu können, die Spielerleistung auf einem hohen und vor allem optimalen Niveau halten zu können und die Spieler verletzungsfrei durch die Saison zu bringen, ist es wichtig, unterschiedliche Möglichkeit auszunutzen sowie ein Verständnis für die individuelle Spielersituation zu entwickeln. Die Erfassung von subjektiven wie auch objektiven Daten liefert hierbei eine notwendige Unterstützung, um die akute und chronische Trainingsbelastung sowie den Stress- und Regenerationsstatus jedes einzelnen Spielers genau zu definieren.

Es ist dabei von Vorteil objektive sowie subjektive Daten der Spieler über einen längeren Zeitraum zu erfassen und zu vergleichen, um diverse Tendenzen und Trends frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig handeln zu können. Bei Regenerationsmessungen erwies sich über die letzten Jahrzehnte vor allem die Herzfrequenz und Herzratenvariabilität (HRV) als hilfreiches, nichtinvasives Tool um genauere Informationen über den Regenerationszustand der Athleten zu bekommen. Hier ist es auch wichtig zwischen Kurz- und Langzeit HRV basierenden Regenerationsmessungen zu unterschieden. Kurzzeit-Regenerationsmessungen haben sich in den letzten Jahren besonders von der Handhabung auf Einzel- und Teamebene als hilfreiches Screening-Tool erwiesen. Jedoch ist zu erwähnen, dass Kurzzeitmessungen nicht so valide sind wie zum Beispiel HRV Messungen während des Schlafes. Die nächtliche Messung erweist sich vom wissenschaftlichen Standpunkt her eindeutig als die akkuratere Methode, jedoch erweist sich die Handhabung in der Praxis als nicht so einfach.

Ziel des Trainers muss es sein, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die Akkumulation von beispielsweise Müdigkeit zu verringern und sicherzustellen, dass der Spieler wieder in den sicheren Bereich zurückfindet. Falls dies nicht der Fall ist, sollten unterschiedliche Ansatzpunkte gewählt werden, um das System des Spielers wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies bezieht sich auch auf Freizeitaktivitäten und den allgemeinen Alltagsstress der Spieler. Minimale Änderungen können dabei große Auswirkungen haben.

Was wird bei dem Schritt zur Trainings- bzw. Regenerationsüberwachung oft als Schwierigkeit angesehen?

Oft wird angenommen, dass der technische Aufwand bei modernen Technologien im Sport sehr hoch ist. Allerdings sind viele System heutzutage schon so ausgreift, dass die Handhabung relativ simpel sein kann. Für Trainer, die heutzutage unter enormen Anforderungen und Leistungsdruck stehen, ist der Nutzen und Zeitfaktor oft eine Hemmschwelle, sich mit neuen Tools genauer auseinander zu setzten. Es wird leider oft vergessen, dass viele neue Training-Tools genau dies versuchen, das heißt dem Trainerteam Arbeit zu ersparen und sicherzustellen, dass in den entscheidenden Spielen die optimale Leistung der Spieler abgerufen werden kann.

 

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