Die Rückkehr zum Sport nach Verletzungen erfährt heutzutage eine immer größere Aufmerksamkeit im Training von Leistungssportlern. Matthias Keller vom OS Institut in München spricht über Möglichkeiten einer modernen Nachbehandlung.

Eine einheitliche Vorgehensweise für die Zielsetzung „Zurück zum Sport“ gibt es derzeit noch nicht. Was sind aus Deiner Sicht mögliche Gründe dafür?

Ich denke die Gründe dafür sind sehr vielschichtig. Das Thema ist in dieser Form, wie es gerade diskutiert wird, relativ jung. Signifikante Evidenzen gibt es noch nicht. Entsprechend wird beim Thema „Zurück zum Sport“ vor allem auf Erfahrungswerte zurückgegriffen. Außerdem sind räumlich-zeitliche Bedingungen und Kostenfaktoren immer limitierende Faktoren bei der Umsetzung. Es gibt Expertengruppen die sehr gute Testbatterien entwickelt haben. Leider sind diese so komplex, dass die Durchführung mehrere Stunden dauert. So ist die Umsetzung in der Praxis nicht möglich. Wir brauchen einfachere Tests um schnellere Aussagen über den aktuellen Status der Reha zu bekommen.

Welche sportartspezifischen Funktionen und Belastungen können als Entscheidungshilfe für eine sichere Rückkehr zum Sport hilfreich sein?

Der erste Schritt beim Thema „Rückkehr zum Sport“ ist das spezifische Anforderungsprofil der jeweiligen Sportart zu definieren. Ein Handballer hat eine andere Belastung als ein Golfer. Ein Hockeyspieler braucht andere Funktionen als ein Läufer. Ein Profifussballer ist anderen Belastungen ausgesetzt als ein Fußballer, der nur ein mal im Monat mit seien Freunden kickt. Fakt ist aber, dass der Patient, der wieder sportlich aktiv sein möchte, grundlegende motorische Fertigkeiten beherrschen muss. Nach einer Knieverletzung muss sowohl ein Läufer als auch ein Profi- und Hobbyfussballer einen Einbeinstand oder einen einbeinigen Sprung beherrschen. Das sind sozusagen absolute Mindestvoraussetzung für eine sichere Rückkehr in den Sport. Wer nicht springen kann, hat auf dem Feld nichts verloren. Erst wenn diese Grundfertigkeiten wieder beherrscht werden, kann sportartspezifisch trainiert werden.

Wie lässt sich die Steuerung und Planung der einzelnen Rehaphasen grob skizzieren?

Wir erleben gerade eine Paradigmenwechsel. Rein zeitbasierte Nachbehandlungskonzepte treten immer mehr in den Hintergrund. Die Funktionen schon während der Reha zu testen wird immer wichtiger. Ich halte es für wichtig sowohl die Wundheilung des traumatisierten Gewebes als auch die Funktion des Sportlers zu beachten. Wobei am Anfang der Rehabilitation immer Wundheilung und Entzündungszeichen entscheidend für Progressionen sind. Treten keine Komplikationen auf, richtet sich im Verlauf der Reha der Fokus immer mehr darauf, was der Athlet wieder leiten muss, um seien Sport wieder ausführen zu können. Um die Funktionelle Reha optimal Planen und Steuern zu können, haben wir den Return to Activity Algorithmus entwickelt. Der Athlet durchläuft ein Level-System. Erst wenn er entsprechende qualitative und quantitative Testes bestanden hat, darf er in das nächste (Belastungs-) Level. Damit schützen wir den Sportler vor Überlastungen.

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