Lindsey Vonn und Robert Trenkwalder nach dem historischen 63. Weltcup-Sieg von Lindsey (Super-G in Cortina d’Ampezzo/Italien, 19. Jänner 2015).Bildcredits: ASP Red Bull/Erich Spiess)

Lindsey Vonn und Günther Mader sind zwei Spitzensportler aus der erlesenen Betreuungsliste von Robert Trenkwalder. Der Volksschullehrer ist seit 2004 bei Red Bull in verschiedensten Sportbereichen tätig und leitet seit 2007 die eigenständige Abteilung – Athletes Special Projects (ASP) Red Bull. Seine Jahrzehntelange Erfahrung und die Konsistenz seiner Erfolge zeichnen den einstigen Chef des schnellsten Abfahrtsteams der Welt als Elitetrainer aus.

Herr Trenkwalder, welche Aufgaben haben Sie bei Red Bull als „Head of Athletes Special Projects genau?

Die Aufgaben lassen sich wie folgt zusammenfassen

  • Scouting von jungen, neuen und talentierten Sportlern (zur Zeit Schwerpunkt auf Ski Alpin und Klettern)

  • Zusammenstellung und Koordinierung eines für den Sportler perfekt abgestimmten Umfeldes (dies beinhaltet Absprache mit dem Management, ständige Kommunikation mit dem Verband, Gedankenaustausch mit Trainerteam, Mediale Verwaltung etc.)

  • Analyse des ausgewählten Athleten (wo liegen Schwächen und Stärken?), Weiterentwicklung des Athleten mit Hilfe der Analyse. Konkrete Lösungsfindung zur Verbesserung der Schwächen und Stabilisierung der Stärken zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit in ständiger Absprache mit dem Betreuer Team. Dabei spielt die Koordination mehrerer Parteien (Verband, Management, Familie, etc) eine ganz entscheidende Rolle. –

  • Beobachtung und Betreuung von Sportlern bei Trainings und Wettkämpfen auf Weltklasseniveau (u.a. Olympische Spiele und Weltmeisterschaften, Weltcups). Dabei werden nach Ansätzen gesucht, um die Weiterentwicklung des Athleten zu gewährleisten. –

  • Im Zuge von individuell abgestimmten Trainingskursen werden Leistungstests durchgeführt um potentielle Veränderungen, Anpassungen und Verbesserungen des Trainings mit dem Athleten zu besprechen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Trainingsmethodik des professionellen Skisports in den letzten 40 Jahren?

Der größte Fortschritt ist mit Sicherheit die Weiterentwicklung von Technik und Material. Mit der heutigen Technik sind während und nach dem Training ganz andere Analysen möglich. Mit Hilfe von Video- und Fotomaterial kann viel detaillierter und aufschlussreicher analysiert werden. Auch im Fitnessbereich kann mit Hilfe neu entwickelter Geräte und Tests viel gezielter trainiert werden. Durch die Weiterentwicklung am Material Sektor ist das Reglement viel strenger geworden (Radius-Einschränkungen, Platten Standhöhe, Schuhe etc.), worauf auch das Training angepasst werden muss.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Prinzipien im langfristigen Leistungsaufbau von jungen Sportlern?

Im noch jungen Kindes-Alter ist es ganz wichtig das Kind spielerisch an den Sport heranzuführen. Dabei spielt Gruppendynamik eine entscheidende Rolle. Mit Hilfe von kindesgemäßen Wettkämpfen soll der Anreiz zum leistungsbezogenen Denken gefördert werden. Während dieser Phase ist es wichtig, Talent und Fähigkeiten zu erkennen, um diese weiterzuentwickeln und zu fördern. Auch eine kindesgerechte Einführung in ein Konditionsprogramm ist von Vorteil. Dabei ist aber unbedingt zu beachten, dass es immer in spielerischer Form bei der auch koordinative Fähigkeiten geschult werden, durchzuführen ist.

Noch vor der Pubertät kann mit einem sportartspezifischen Training begonnen werden. In dieser Phase sollte der Grundstein technischer Fähigkeiten bereits fest verankert sein und vorwiegend an der Feinmotorik gearbeitet werden. Während der Pubertät gilt es den Athleten so zu motivieren, dass er den Spaß am Sport nicht verliert und sehr individuell (auf den Typ bezogen) das Training gestaltet.

Wenn dieser Abschnitt gut überstanden ist und der Athlet den Sprung an die Weltspitze schaffen will, gilt es sehr genau auf Details einzugehen. Mit gezielter, professioneller Methodik muss an diesen Details gearbeitet werden, um das maximale Potential des Sportlers auszuschöpfen.

Welchen Stellenwert hat für Sie der fachliche Austausch mit Kollegen aus anderen Sportarten?

Ein Austausch mit Fachleuten von anderen Sportarten ist immer sehr interessant, da sich sehr oft Parallelen herstellen lassen. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Trainer konnte ich feststellen, dass Trainingsprinzipien sportübergreifend anwendbar sind. Deshalb ist ein Austausch zwischen Fachleuten sehr wertvoll, weil man immer etwas Neues dazu lernen kann.

Inwiefern hat sich die Arbeit als Trainer im Sport in den letzten 20 Jahren verändert?

Wie ich bereits in Frage 2 erörtert habe, hat sich der Trainerberuf aufgrund der vermehrten Miteinbeziehung von technischen Hilfsmitteln sehr verändert. Das ist durchaus positiv jedoch geht dadurch oft der Blick für das Wesentliche verloren. Die ständige Betreuung und Beobachtung während des Trainings und Wettkampfes wird nicht mehr so ernst genommen, da sich viele Trainer auf Video- und Fotomaterial verlassen können. Das hat zur Folge, dass Emotionen und die Einzigartigkeit jeder Situation oft nicht in Analysen miteinbezogen werden. Meiner Meinung nach ist dies jedoch unbedingt notwendig, um einen Athleten auf höchstem Niveau betreuen zu können. Psychologisch ist der Dialog zwischen Trainer und Sportler für den Athleten extrem wichtig und deshalb muss eine Feinabstimmung zwischen technischen Hilfsmitteln und physischer Präsenz gefunden werden.

Wie fördert Red Bull die Athletik der unter Vertrag stehenden Sportler? / Was fordert Red Bull bezogen auf die Athletik der unter Vertrag stehenden Sportler?

Das ist individuell sehr verschieden. Jeder Sportler hat andere Bedürfnisse, um die wir uns versuchen bestmöglich zu kümmern. Forderungen gibt es von unserer Seite keine an die Athleten. Wir zeigen ihnen lediglich Vorschläge auf, um sich weiterzuentwickeln. In unserem Rahmen können wir ihnen großzügige Möglichkeiten anbieten, die uns als Sponsor einzigartig machen. Dies erfolgt in ständiger und engster Absprache mit den Athleten, Verbänden, Firmen etc. und wird daher auch sehr gut angenommen.

Karriereleiter von Robert Trenkenwlader:

  • Ausgebildeter Volksschullehrer – Trainertätigkeit Ski Alpin in allen Altersklassen (Kinder, Schüler, Jugend, Junioren), bis hin zum Cheftrainer der ÖSV Herrenmannschaft – Einzigartige Betreuung von Günther Mader

  • Vom Kindesalter bis hin zum Karriereende (28 Jahre)

  • Seit 2004 Tätigkeit bei Red Bull in verschiedensten Sportbereichen – Seit 2007 eigenständige Abteilung

  • Athletes Special Projects (ASP) Red Bull (siehe Frage 1)

Betreute Athleten:

  • Lindsey Vonn, Aksel Lund Svindal, Alexis Pinturault, Erik Guay, Hernik Kristoffersen, Daron Rahlves, David Lama, Angela Eiter, Killian Fischhuber, Ja-In Kim etc.

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