Steffen Tepel ist A-Lizenz Trainer Ski Nordisch und war von 1992 bis 2011 aktiver Nordischer Kombinierer. In der Schweizer Nationalmannschaft war der studierte Sportwissenschaftler von 2011 bis 2013 Co-Trainer in der Nordischen Kombination.

Was erwartest du von der Athletik-Konferenz? 

Ich erwarte spannenden Austausch mit erfahrenen Coaches aus anderen Sportarten sowie neuen Input vor allem in Sachen Neuroathletik beim Workshop mit Lars Lienhard. Mir geht es als noch jungem Coach immer darum so viel Input wie möglich aus den unterschiedlichsten Strömungen des Leistungs- und Fitnesssports als auch der medizinischen Therapie zu erfahren. Oft ist es ja so dass sich das Training einzelner Sportarten aus der Tradition entwickelt hat. Da Traditionen schwer zu brechen sind werden zwangsläufig noch heute „alte“ Fehler gemacht die vielleicht in anderen Disziplinen mit anderen historischen Hintergründen vielleicht so nicht gemacht wurden. Deshalb lohnt sich der Blick über den Tellerrand gerade inpuncto Kreativität.

Welches besondere Charaktermerkmal zeichnet die Nordische Kombination aus und welche trainingsmethodischen Konsequenzen ergeben sich daraus?

Kombinierer sind in der Regel ruhig und sachlich und dabei verlangt es die Sportart dass disziplinierte Arbeiter aus Ihnen werden. Man muss sich dass mal vorstellen: Ein Wettkampf dauert den ganzen Tag, Athleten müssen sich der technischen und mentalen Herausforderung des Skispringens stellen um anschließen gleich den Fokus auf die konditionell determinierte Vollgasveranstaltung des Langlaufs zu lenken.

In der Herangehensweise des Trainings liegen wir in der NK im Spannungsfeld zwischen Kraft und Ausdauer. Auf der einen Seite müssen wir, gerade im Frühjahr, viele viele Ausdauerstunden absolvieren um entsprechende physiologische Anpassungen zu generieren aber müssen es auf der anderen Seite gleichzeitig schaffen nicht zu viel Spritzigkeit zu verlieren. Bei der explosiven Komponente für den Skisprung sollten die Athleten ausserdem darauf achten dass sie nicht zu viel Muskelquerschnitt durch Hypertrophietraining aufbauen, da exzessive Gewichtszunahme im Skisprung natürlich kontraproduktiv ist.

Dass große Explosivkraft auch ohne viel Hypertrophie möglich ist zeigen ja die Spezialskispringer auf beeindruckende Weise. Dies spezielle Konstellation in der NK lässt gerade im Training wenig Fehler zu sodass wer sich durchsetzen will, extrem auf die Qualität und Intelligenz des Trainings achten muss. Die Trainingssteuerung entwickelt sich deshalb vermehrt in Richtung „Softwaretuning“ der bewegungssteuernden Basis. Wenn Muskelgruppen aus unterschiedlichen Gründen nicht intelligent zusammenarbeiten und „Bremsen“ im System sind, bringt mir meine Ganze „Hardware“ recht wenig weil ich sie nur grobmotorisch oder  heruntergeregelt ansteuern kann.

Wie hat sich deine Trainingsmethodik in den letzen 10 Jahren entwickelt?

Ich denke vor 10 Jahren dominierte noch weitgehend das biomechanische Trainingsweltbild: Wenn ich Muskeln, Sehnen und Ausdauerphysiologie nach Trainingsplan trainiere dann passt sich der Körper auch dementsprechend an. Dass diese Herangehensweise nicht für jeden Athleten gleichermaßen funktioniert wenn ich sage Athlet B muss jetzt wie Athlet A trainieren um den gleichen Leistungsstand zu erreichen, scheint logisch. Ich denke der Wandel besteht vor allem darin sich zu fragen weshalb der Körper von Athlet B sich schlechter entwickelt. Womit wir wieder beim Thema der Individualisierung wären. Ich denke der heutige und zukünftige  Ansatz besteht darin einen komplexeren, intelligenteren Ansatzes mit hohem, auf das individuelle Nervensystem zugeschnittenen Aufwand und Regeneration zu entwickeln.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s