Dr Mischa Kläber ist Ressortleiter für Präventionspolitik & Gesundheitsmanagement beim DOSB und erklärt, welchen Beitrag die Sportsoziologie für das Athlettiktrainings leisten kann.

Was erwarten Sie von der Athletik-Konferenz?

Ich erhoffe mir viele neue Eindrücke und Informationen rund um das Athletiktraining samt der dafür relevanten Themenbereiche (Training, Ernährung, Supplementierung und vieles mehr). Meines Erachtens ist jenseits des Athletiktrainings zur Weiterentwicklung der sich zunehmend herausbildenden „Leistungsrolle“ des Athletiktrainers zum einen eine Standortbestimmung notwendig. Zum anderen bedarf es einer klugen Profilbildung dieser Leistungsrolle im Spagat zwischen Theorie und Praxis. Besonders freue ich mich bei der Konferenz auf die Vielfältigen Beiträge von renommierten Referenten und die im Anschluss zu den Vorträgen entstehenden kritisch-reflexiven Diskussionen.

Welchen Beitrag kann die Sportsoziologie zur Vervollkommnung der Kompetenzen eines Trainers leisten?

Die Sportsoziologie ist am besten dafür geeignet, den Finger in die Wunde zu legen: Ist denn in Zusammenhang mit dem sog. Athletiktrainer von einer Leistungsrolle im engeren Sinne zu sprechen? Wie ist es um das Professionalisierungsniveau bestellt? Welche Gefahren bringt eine zunehmende Kommerzialisierung mit sich? Diese und viele weitere Fragen kann die Sportsoziologie andiskutieren. Vielleicht gelingt es, dass Athletiktrainer zu sich selbst kritisch auf Distanz gehen und dadurch mehr über ihre Tätigkeit in Bezug auf Chancen, Herausforderungen und Grenzen in Erfahrung bringen. Die Sportsoziologie eignet sich hervorragend, um Praktiker – die manchmal zu sehr in ihrem praktischen Handeln versinken – fruchtbar zu irritieren. Man muss sich nur darauf einlassen.

Worin sehen Sie den größten Vorteil und den größten Nachteil von Spezialisierungstendenzen im Sport?

Gesteigerte Spezialisierungstendenzen führen immer dazu, dass andere wertvolle Randbereiche und -aspekte weiter ausgeklammert werden. Der soziale Uterus der Fitnessbranche – gemeint ist das Bodybuilding – war beispielsweise in seiner Ursprungsform keine hochspezialisiertes Hypertrophie-Training, sondern oft eine Mischung aus Kraftathletik, Gymnastik, Gewichtheben, Körperkunst oder auch speziellen Elementen aus dem Ringen, Boxen etc. Hier ist es hilfreich, sich immer auch die historische Gewachsenheit bestimmter moderner Erscheinungen wie dem Athletiktraining anzuschauen – getreu dem Motto: back to the roots! In Bezug auf eine klare Profilbildung des Athletiktrainers hat man bei zunehmender Spezialisierung immer das Problem, dass man das Profil dann eventuell zu eng ausgestaltet und somit die Breite verloren geht.

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