Dr. Lothar Nieber äußerst sich zur Bedeutung von Koordinationstraining, der Misere des Schulsports und dem unzureichende Elternvorbild.

F: Lothar, was erwartet Du von der Athletik-Konferenz 2014?
Neben einigen sehr speziellen Themen bin ich gespannt darauf, ob sich bei den ausgewiesenen Praktikern die Auffassung durchgesetzt hat, dass im Nachwuchsleistungssport ein systematisches Koordinationstraining ein unverzichtbarer Bestandteil modernen Athletiktrainings auf allen Förderstufen sein sollte.
F: Welche Zielstellung hat Koordinationstraining in den Sportspielen?
In den Sportspielen hat das Koordinationstraining, ebenso wie das Konditionstraining, eine ergänzende Funktion. Hauptziel ist es, zunächst mit allgemeinen, später mit immer sportartspezifischeren Übungsinhalten koordinatives Überpotential zu entwickeln, um somit das Technik-Taktik- sowie das Spieltraining effektiv zu unterstützen. Dafür müssen Anforderungen gestellt werden, die in Bezug auf Schwierigkeit und/ oder Handlungsdichte über das hinaus gehen, was das Sportspiel selbst bietet.
F: In welche Richtung gehen die aktuellen Entwicklungen in Deutschland in diesem Bereich?
Die Misere des Schulsports, das unzureichende Elternvorbild u.v.a. hat in Bezug auf die motorische Entwicklung lebenslang nachteilige Folgen. Das betrifft nicht nur das persönliche Leben, sondern hat auch gravierend nachteilige Folgen für den Leistungssport. Während die Veröffentlichungen von Hirtz (1975 ff), Schnabel, Blume, Zimmermann u.a. in der DDR (nachgewiesen in Langsschnittuntersuchungen!) bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung allgemeiner koordinativen Fähigkeiten nachweisen konnten, zeigen spätere Untersuchungen deutliche Defizite.
Seit der Veröffentlichung von Neumaier (1999) gibt es deutliche Bemühungen, besonders in allen Spitzenverbänden das Koordinationstraining stärker in den Focus des Leistungssports  zu rücken. In den Sportspielen bleiben diese Bemühungen aber zu oft im Einsatz allgemeiner koordinativer Übungsmittel zur Entwicklung allgemeiner koordinativer Fähigkeiten stecken. Die Sportspiele mit ihrem komplexen Handlungscharakter erfordern jedoch ein Koordinationstraining, das in späteren Entwicklungsetappen immer mehr an spezifische Fertigkeiten und Kompetenzen gebunden werden muss.

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